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Schwämme: Putzkolonne der Weltmeere

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Schwämme: Putzkolonne der Weltmeere

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euronews-Berichterstatter Denis Loctier ging mit Meeresforschern auf Reisen – auf der Suche nach Schwämmen: “Von den norwegischen Fjorden über den Polarkreis bis zu den arktischen Tiefseebergen: Wir b

euronews-Berichterstatter Denis Loctier ging mit Meeresforschern auf Reisen – auf der Suche nach Schwämmen: “Von den norwegischen Fjorden über den Polarkreis bis zu den arktischen Tiefseebergen: Wir begleiten eine internationale Expedition, die einfachste Organismen untersucht, die im Ökosystem Ozean eine komplexe Rolle spielen”, so Loctier.

An Bord des norwegischen Forschungsschiffes G.O. Sars: Drei Wochen sind die Wissenschaftler Schwämmen auf der Spur. Ein Unterwasserroboter wird eingesetzt, um die Organismen aufzuspüren und um verschiedene Spezies zu Untersuchungszwecken einzusammeln – teilweise mehrere Kilometer unter der Wasseroberfläche.

Projektleiter Hans Tore Rapp erläutert: “Wir haben recht gute Kenntnisse über Schwämme im Flachwasser, zum Beispiel in Korallenriffen. Doch in der Tiefsee sind sie mehr oder weniger unerforscht. Wir wissen ungefähr, wo sie angesiedelt sind, wir kennen ihre Vielfalt – doch ihre Funktionsweise ist mehr oder weniger unbekannt.”

Gearbeitet wird Tag und Nacht. Nach dem Auftauchen des Roboters werden die Schwämme zur Analyse in die Laboratorien gebracht – auch diese befinden sich an Bord der G.O. Sars. Einige Schwämme enthalten chemische Elemente, die unter Umständen für die Kosmetik- und Pharmaindustrie einsetzbar wären.

“In vielen Spezies wurden Elemente entdeckt, die gegen Bakterien, Pilze oder Krankheiten wie Krebs eingesetzt werden könnten. Über diese Spezies hier wissen wir noch nicht viel, deshalb wollen wir sie untersuchen”, sagt die Meeresbiologin Vasiliki Koutsouveli.

Wie läuft das bei Schwämmen mit der Ernährung? Auch darüber wollen die Forscher weitere Erkenntnisse sammeln. Sie wissen, dass Schwämme Meerwasser filtern, Mikroorganismen tragen damit zur Reinigung des Wassers bei. In Versuchen wird herausgefunden, in welchen Mengen etwa Bakterien ausgesiebt werden.

Meeresbiologe Martijn Bart erläutert: “Das zeigt, wie wichtig Schwämme für den gesamten Ozean sind. Wenn man zeigt, was sie aus dem Wasser filtern, sieht man, welche Abfallprodukte sich zunehmend ansammeln würden, wenn man die Schwämme entfernen würde und sie die Meere nicht mehr reinigen könnten.”

Auch auf unserer Reise stoßen die Wissenschaftler auf zuvor unbekannte Schwamm-Arten. Rund 8.000 Spezies sind bislang entdeckt worden – manche nur winzig klein, andere größer als einen Meter. Was genau die Schwämme alles tun, um die Meere zu reinigen und wie genau das funktioniert – da tappt die Wissenschaft in vielerlei Hinsicht noch im Dunklen.

“Unser Projekt konzentriert sich auf den Nordatlantik. Das ist ein großes Meer, doch im weltweiten Vergleich ist er recht klein”, meint Rapp. “Obwohl wir mit großer Anstrengung bei der Arbeit sind, sehen wir bisher nur die Spitze des Eisberges. Es ist noch viel Grundlagenforschung zu betreiben. Die kostet viel Geld und nimmt Zeit in Anspruch, doch sie muss gemacht werden.”

Seit mehr als einer halben Milliarde Jahren leben Schwämme in den Weltmeeren – doch richtig bekannt sind sie noch lange nicht.

Weiterführende Links:
Webseite des Forschungsprojektes…
Rundgang über das Forschungsschiff…